Route 76 - Welcome to Steady State
Verrückt, was ich in letzter Zeit für ein Zeug träume!
Schweißgebadet wache ich auf und suche nach meinem Handy.
Wo ist es nur?
Nicht auf dem Nachttisch, nicht auf der Ladestation, nicht unter dem Kopfkissen.
Komisch!
Ich greife zwischen Matratze und Kopfteil - rumms, Gepolter!
Dieses Wunderwerk der Technik, das mehr Taschencomputer als ein Telefon ist. Wer telefoniert denn heutzutage noch?!
Kleine Abschweifung:
Ich habe einmal eine repräsentative, wissenschaftlich belegte, also von mir belegte Umfrage, unter Jugendlichen durchgeführt.
Die Frage:
Wer weiß, was ein Festnetz ist und wie wird "Festnetz" geschrieben?
Die erschütternde Erkenntnis:
Weit über 90 Prozent (!) der Befragten im Alter von zwei bis zehn Jahren wussten damit nichts anzufangen! Das ist doch traurig, oder?
Nun aber zurück zu meinem Handy, das mir lautstark sein Versteck preisgab - und leider nicht nur mir ...
"Schatz, sei leise. Ich will schlafen!" Arsène Lupin wäre das nicht passiert.
Eine Entschuldigung murmelnd blicke ich auf das Display:
Di. 4. Aug.
05:12 Uhr
Puh! Wieder alles nur schlecht geträumt! Diese verrückten Träume müssen ein Ende haben!
Aber meine Welt war offenbar wieder in Ordnung. Keine seltsamen Zeitschleifen, keine täglich-grüßt-das-Murmeltier-Schreckszenarien mehr.
Seit dem "Unabhängigkeitstag" vom realen und geträumten 04. Juli sind vier Wochen vergangen.
In dieser Zeit kamen 13 Läufe und 10 Krafteinheiten zusammen, wenn ich richtig gezählt habe.
Ja, ich habe mich überzeugen lassen, auch etwas für die Muskulatur zu tun, wenn auch noch auf kleiner Flamme.
Mit 66 ist man schließlich kein Schnellzug!
Und außerdem ist der Wackelpudding am Oberarm beim Laufen auch recht störend. Bekannt auch als "Winkefleisch"! Ha, ha!
Und "ein Mann ohne Bauch ist ein ...", na Ihr wisst schon. So werden körperliche Defizite schön geredet. Und davon will ich weg! Prost! (sagt man das bei Kaffee?).
Zurück zu den inzwischen dreizehn absolvierten Läufen, die mich auf meiner Route 76 in den "Steady State" geführt haben.
Es ist noch kein echter "Flow" - zwischendurch sind die Runden echt mühsam - aber ich brauche nicht mehr darüber nachzudenken, ob ich die Runde überhaupt ohne Gehpausen schaffe.
Die 7,4 km-Runde ist der neue Standard und die laufe ich in einem Rutsch durch. Und das Wichtigste: Es macht auch noch Spaß!
Was für ein Erfolg! Welche Veränderung!
Die Massen jubeln mir zu und die unzähligen Groupies wälzen sich kreischend am Boden und grapschen nach jeder glibbernden Fettzelle, die ich ihnen auf der Runde gönnerhaft zuwerfe.
Na, so ähnlich jedenfalls.
Selbst die beiden 10,4 km-Läufe konnte ich, wenn auch nur knapp, ohne stehen zu bleiben hinter mich bringen!
Die knapp siebeneinhalb Kilometer wiederholen sich nun also ohne jeden Zweifel.
Da winkt mir am Wegesrand dann doch ein Murmeltier zu ...
Und die Abzweigung nach links ist keine Entscheidung mehr darüber, ob ich die rote Pille schlucken soll oder nicht, sondern ist ein weiterer Meilenstein auf meiner Route 76.
Rechts biegen nur noch Fußgänger ab. Pah!
Und damit nicht genug!
Der noch junge Monat August bescherte mir ein weiteres Hochgefühl.
Nämlich einen Uhu!
Am 02.08. zeigte das Maßband einen Bauchumfang (alle Messungen am Bauchnabel vorgenommen) von 99 Zentimetern!
Zweistellig! Unter Hundert! Ein Uhu! Ju-hu!
Autogrammkarten sind im Druck. Nur Geduld!
Die vermaledeite Zeitschleife ist aufgelöst! Ich bin im Hier und Jetzt wieder angekommen und hoffe, dass zukünftige Rückschläge moderat ausfallen werden.
Denn die bisherige Entwicklung empfinde ich für meine Verhältnisse schon irgendwie atemberaubend.
So, nun aber genug der Selbstbeweihräucherung!
Heute steht eine Krafteinheit an.
Ich mag es inzwischen, wenn auf dem mit feinen Schweißperlen benetzten Bizeps die Adern fordernd hervortreten, während ich meine 25 Kilo-Hantel lässig nach oben schwinge (habe ich irgendwo ein Komma vergessen?).
"Schatzi, könntest Du zwischendurch mal kurz die Fenster putzen? Das wär echt lieb von Dir! Kuss!"
Okay, die Hanteln staube ich dann ein anderes Mal ab und notiere dafür eine Einheit "Extreme Fensterputzing" in meiner Sport-App.
"Komm zurück in unsere Zeitschleife ohne Fenster", murmelt murmelnd das Murmeltier.
Klingt verlockend.
Doch der Uhu uhut: "Vergiss es. Du klebst leider in der Realität fest."
Der muss es wissen.
Ich schnapp mir dann mal den Putzeimer. Den nächsten Tankstopp fest im Blick.

30 Läufe · 11 Kraft
9 Messungen
Member discussion