Route 76 - Zwei Tage später
Verrückt, was ich in letzter Zeit für ein Zeug träume!
Hyänen, Aasgeier und blutrünstige Mücken, die mich bei lebendigem Leib verspeisen wollten.
Und dann dieser verrückte Traum im Raumschiff Speckweg, aus dem ich gerade erwacht bin.
Meine Güte, da versucht aber einer, seine Versagensängste im Schlaf zu verarbeiten! Zum Glück rettet mich meine Göttergattin zuverlässig aus den Katastrophen meiner skurrilen Traumwelt.
„Danke dir, Schatz. Puh! Das war eben echt schräg!"
Keine Antwort.
Wahrscheinlich ist sie wieder eingeschlafen. Ich taste nach meinem smarten Smartphone, um per Smart Home die dämliche Kaffeemaschine einzuschalten.
Kein Handy.
Wo ist das verdammte Ding denn bloß?
Was soll's. Liegt wahrscheinlich irgendwo im Wohnzimmer.
Ich muss raus auf die Runde und schleiche mich lautlos, Arsène Lupin, dem Meistereinbrecher gleich, aus dem Bett.
Perfekte Bedingungen erwarten mich!
17 Grad und ein bewölkter Himmel. Da lacht das erfahrene Läuferherz! Auf zu neuen Ufern!
Vor mir wieder diese Pillenabzweigung.
Ohne zu überlegen, schlucke ich das rote Ding, biege links ab und trabe weiter.
Mein Projekt beschäftigt mich. Mehr, als ich dachte.
Diese ganzen Träume!
Kindheitserinnerungen und Versagensängste vermischen sich zu einer skurrilen Melange in einer obskuren Parallelwelt.
Ich weiß nicht.
Diese Formulierung trifft nicht wirklich meine momentane Gefühlswelt.
Nein, es ist irgendwie ... irgendwie viel intensiver!
Eher so:
Kindheitserinnerungen und Versagensängste amalgamieren zu einer bizarren Melange, die durch die verschlungenen Sphären meiner Parallelwelt diffundiert.
Ja. Genau! Ich glaube, das trifft es eher.
Und an dem Satz habe ich stundenlang herumgedoktert, glaubt mir!
Oder mit eigenen Worten:
"Kindheitserinnerungen und Versagensängste verkochen zu einem ziemlich schwer verdaulichen Eintopf mit später kaum zu ertragenden olfaktorischen Folgen."
So viel zu meinen literarischen Qualitäten.
Irgendwie kommt mir das heute alles schon bekannt vor. Aber ich komme nicht drauf.
Und dann: Da!
Ein Silberstreif am Horizont. Das Licht am Ende des Tunnels.
Der Parkplatz. Was?! Schon?
Und das Ganze ohne eine einzige Gehpause. Tatsächlich!
Ich halte fest:
Heute, am 4. Juli 2026, an dem Tag, an dem die USA den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeitserklärung feiern, feiere ich meinen ersten Unabhängigkeitstag von Gehpausen auf einer Strecke von knapp 7,4 Kilometern!
Und das sogar ein bisschen schneller als sonst! Ohne es bemerkt zu haben.
Kennt ihr das? Komisch, oder?
Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass irgendetwas nicht stimmt.
Egal! Partytime!
„Cheerio, Miss Sophie!"
17 Läufe · 1 Kraft
4 Messungen